PRESSEMELDUNG 6.12.2017

Komplementärmedizin

NEUES PROGRAMM GEGEN ALKOHOLPROBLEME

Krems. Ganz locker schaffen es die Nikotingegner ständig in die Schlagzeilen. Gleichzeitig beginnt nun die „stille Zeit“ intensivsten Alkoholkonsums: Advent – Weihnachten – Jahreswechsel. Es gelten etwa 340.000 Menschen als alkoholkrank, knapp 735.000 Österreicher konsumieren Alkohol regelmäßig in einem gesundheitsschädlichen Ausmaß - nahezu 1.100.000 Betroffene. Daher hat dieses Problem vor den Toren des AIAATR nicht halt gemacht. Lange blieben sie verschlossen, da die Ergebnisse konventioneller Behandlungskonzepte mit 80% Rückfallquote erschreckend sind. Denn eine privatmedizinische Einrichtung „lebt“ - anders als die Kassenmedizin – vom Erfolg und ist direkt von ihm abhängig. Erste Erfahrungen weisen - wie bei anderen psychischen Überlastungsstörungen – auf eine hohe Eignung der MTG-Therapie (Medizinisch TierGestützte Therapie, MTGT) hin. Deshalb wurde in fachärztlicher Kooperation ein Spezialkonzept entwickelt, das ersten Erfolge zeitigt.

Tatsächlich bestand aufgrund der sehr mäßigen Therapieerfolge einschlägiger Institutionen lange Zeit eine hohe Reserviertheit gegenüber dieser Indikation. Da seit der Gründung des AIAATR 2011 (Austrian Institute for Animal Assisted Therapy & Research / Österreichisches Institut für Tiergestützte Therapie und Forschung) und mit der damit verbundenen Entwicklung der MTG-Therapie (medizinisch tiergestützte Therapie) in häufigen Kernindikationen wie Angst, Depression, Trauma (spielen bei Alkoholkrankheit direkt oder indirekt eine wesentliche Rolle) konsequent Erfolge verzeichnet wurden, stellte man sich Ende 2016 diesem Problem.

Die drei Charakteristika der MTG-Therapie sind Gespräch & lösungsorientierte Arbeit im tiergestützten Setting verbunden mit Coachingelementen. Dieses Konzept wurde nach EBM-Standards (Evidence Based Medicine) in verschiedenen Publikationen und einem Buch mehrfach wissenschaftlich belegt. Es unterscheidet sich von herkömmlicher Gesprächstherapie durch raschere Wirkung, geringere Kosten, Lösungsorientiertheit und patientengerechte Individualisierung. Wichtigster Fokus ist in allen Indikationen nicht eine theoretische Problemorientierung, sondern die praktische Rückkehr in eine selbstbestimmtes Leben.

Unter Berücksichtigung der Schwächen herkömmlicher Konzepte wie kurze Begleitung, Gruppenabfertigung, mangelhafte Individualisierung, Coachingdefizit und fehlende Tagestauglichkeit wurde ein Programm gewählt, das bis zu 2 Jahre dauert. Nach der etwa 3-stündigen Analyse beginnt die aktive Phase mit einer Intensivtherapiewoche zu gesamt 10 Therapieeinheiten a 90 Minuten. Spätestens an dieser Stelle ist kein Alkohol mehr erlaubt. Der Patient wohnt im kostenlos zur Verfügung gestellten Therapieappartement vor Ort und kann sehr eng begleitet werden.

Die Intensivwoche wird im Abstand von 3-4 Wochen zweimal wiederholt. Bis zu einem Maximalzeitraum von zwei Jahren verbringt der Patient anschließend monatlich ein Therapiewochenende am „Brigindohof“. Bei „Rückfall“ heißt es „zurück an den Start“.

Etwaig ergänzende Medikationen gegen Depression und/oder Angst werden in Kooperation vom jeweiligen Haus- oder Facharzt durchgeführt. Ein wesentliches Ziel ist es, so bald wie möglich von den Psychopharmaka wegzukommen, das aber durch entsprechende begleitende Tests (zB. BDI, HAMD-21, HAMA) ausreichend gut zu takten. Der Patient muss sich „stark“ fühlen, ehe man ihm diese symptomatisch wirksamen Hilfsmittel entzieht.

Ergänzend kommen im Einzelfall Maßnahmen wie etwa Aromatherapie, Phytotherapie, Nahrungsergänzungsmittel oder Maßnahmen der allgemeinen Lebensführung zur Anwendung. Wesentlich sind nicht zuletzt die kurzen Beobachtungsintervalle, die für den Patienten von Beginn an überschaubar, vorstellbar und damit bewältigbar sind. In der Umsetzung sorgt die dörfliche Lage des Instituts für maximale Diskretion.

In aller Stille . . .

Warum ist das so? Während im einen Fall zahlreiche Wirtschaftszweige – von der Industrie bis zu den Apotheken – hervorragend an „Antiraucherkreuzzügen“ verdienen, gibt es keine Interessen zur Aufklärung in Sachen Alkohol.

Gleichzeitig übersteigt der wirtschaftsschädigende Effekt von Alkohol jenen von Nikotin bei Weitem. Alleine im Jahr 2011 betrug der Nettoschaden 737,9 Millionen Euro oder 0,25 % des BIP. Nicht eingerechnet sind dabei indirekte Schäden, die Familien bzw. Partnerschaften erleiden oder Folgeschäden bei Kindern etc.

Alkohol ist mächtig

Seine Suchtpotenz liegt etwa beim Sechsfachen von Heroin. Das macht die Therapie für alle Beteiligten zur Schwerstarbeit. Damit ist Alkoholkrankheit alles andere als eine „Willensschwäche“. Alkohol ist so gut wie immer und überall zu geringen Kosten verfügbar. Es gibt eine immens hohe Toleranz gegenüber dem Missbrauch oder Alkoholexzessen selbst bei Jugendlichen, die in zunehmendem Ausmaß vor allem harte Alkohole getarnt als Mischgetränke konsumieren.

Betroffene schämen sich

Trotz der enormen Zahl an Betroffenen besteht nur eine sehr geringen Bereitschaft, sich zu outen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Selbst dann, wenn bereits offensichtliche Begleitschäden wie organische Probleme oder Arbeitsplatzverlust auftreten.

Nicht nur das. Nach dem Alkostopp müssen Betroffene damit rechnen, aktiv zum Trinken animiert zu werden. Im Einzelfall werden sie sogar dafür verlacht, dass sie „es nicht aushalten“.

Nicht zuletzt dürfte ein ganz spezielles Problem darin liegen, dass auch viele Angehörige der Gesundheitsberufe selbst gefährdet sind und das Thema daher gerne meiden.

+++Ende+++

Zahlenquellen: Studie des IHS (Institut für Höhere Studien) zu durch Alkoholkrankheit entstehende volkswirtschaftliche Kosten , Handbuch Alkohol Österreich, Band 1 – Statistiken und Berechnungen 2011, BMG 2011; Der ganz „normale“ Alkoholkonsum und seine gesundheitlichen Folgen, Broschüre des BMG für Gesundheit 2007

Weitere Informationen: www.aiaatr.com oder direkt Dr. Wolfgang A. Schuhmayer. Institutsleitung, Mail: drschuhmayer@aiaatr.com oder T: 0664 7510 3698