Das Tierteam

Alle Tiere werden so naturnah wie möglich gehalten. Sämtliche haben Offenställe, die sie ganzjährig jederzeit verlassen können und das auch tun. Ihre Stärke besteht darin, eben unverwechselbare Charaktere darzustellen und nicht als Striechelzootierchen zu fungieren.

Daher ist der Umgang mit ihnen ein Austausch, bei dem jeder Mensch gefordert ist. Das einfach formulierte Geheimnis: "Nur respektvolle und artgerechte Kommunikation führt zum erwünschten Ergebnis!"  - Dabei sind die Anforderungen bei den einzelnen Tierarten so verschieden wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Am Beginn stand für ca. 9  Monate die ausschließliche Arbeit mit Alpacas. Trotz des großen Erfolges kamen dann andere Tierarten hinzu, da die wiederum zusätzliche Stärken aufweisen. In einer Ordination arbeitet man ja auch nicht in allen Situationen mit ein und demselben Medikament.


Alpacas - Carlos & Oskar

Die Spezialisten, wenn es uns ganz schlecht geht. Geduldig, intelligent, neugierig, hoch sozialkompetent, aber keine Streichelbären. Einmal angeleint ändert sich das. Wallach Carlos (weiß) spendet Ruhe und Gelassenheit, während Oskar (braun) noch ein junger Hengst Springsinsfeld ist, der gerne zappelt und eine ruhige Führungshand benötigt. 

Sie kommen in so gut wie allen Indikationen zum Einsatz, da sie sehr umfassend einsatzbar sind. Besonders berwährt haben sie sich bei Depression, Angsterkrankungen, Trauma/Missbrauch, Autismus Spektrum Syndrom. und schizoaffektiven Psychosen.

Urspünglich stammen sie aus dem Andenhochland (4.500-5.500m SH), sind somit "hochalpine" Tiere. Unsere sind beide in Europa geboren. Der Sommer ist für sie mühsamer, aber sie werden im Juli geschoren. Im Winter lassen sie sich gerne einschneien. Auch querfeldein sind sie total trittsicher. Alpacas gehören als Neuweltkamliden zu denn besten Futterverwertern im Widerkäuerreich. Sie sind sehr anspruchslos und benutzen nur die "eigene Toilette" auf der Weide. Die suchen sie am liebsten gemeinsam auf....


Zwergziegen - Dussy, Natascha, Manci, Dana, Nelly, Sascha

Diese possierlichen Tierchen sind die Stimmungsaufheller in der Therapie. Sie haben stets kreative Ueberraschungen im Kopf - in der Haltung führte das zu Beginn schon mal zu stressigen Situationen. Mit ihnen beginnt eigentlich jedes Programm, da ihr Verhalten gut Auskunft über Zustände gibt, über die Menschen nicht so gerne reden. Manchmal sind sie in ihren Aussagen so klar, dass ihr Wert jenem des Stethoskops für den Internisten entspricht. Eine Qualität, die sie mit den Alpacas teilen.

Die ersten Übungen mit ihnen entsprechen einer Art "psychogenem Aufbautraining". Auf Phasen der Anspannung folgt Beruhigung und so fort. Babyziegen sind eine hervorragende "Geheimwaffe" bei Angstzuständen. Der Umgang mit ihnen fördert mit größter Wahrscheinlichkeit die Ausschüttung des "Brutpflegehormons" Oxytocin - es wirkt antidepressiv, angstlösend und schmerzstillend. Entsprechend nützt dieser Effekt vor allem Frauen. Bei den männlichen Patienten reagiert etwa jeder 4. in der Art einer Frau. Das sind die guten "Brutpfleger" unter den Männern. Aber auf ein Anti-Depressivum reagieren ja auch nur 25% der Patienten perfekt wunschgemäß und Kinder bzw Jugendliche fast gar nicht (sagt das renommiert Medizinmagazin "The Lancet").

Ursprünglich stammen die Vorfahren unserer Zwergziegen aus Westafrika. Dort werden sie als Fleischziegen gehalten. Daher decken sie ganzjährig, anders als unsere europäische Hausziege. Die Tragzeit beträgt 5 Monate. Meist kommen zwei Ziegenlämmer zur Welt, die 8 Wochen bei ihrer Mutter bleiben. Je nach Bestand werden weibliche Tiere behalten. Böcke müssen immer gehen, damit keine Inzucht entsteht. In unserer Herde läuft immer ein Bock mit. Das hat sich sehr bewährt - es macht die Damen ruhiger. Die Gesamtherde hat die energische Leitziege "Dussy" (oben links) fest im Griff.


Zwergmuli "Rico"

Das zweifellos ungewöhnlichste unter den Therapietieren. Sein Vater war ein Zwergesel, die Mutter eine argentinische Falabellaponystute. Geburtsort Phyra bei St. Pölten. Er kam im Herbst 2014 zu uns und wurde aus Isolationshaltung ausgekauft. 1,5 Jahre hatte er kaum direkten sozialen Umgang mit Gleichartigen. Entsprechend hat er sich hier benommen und sofort alle andere Tiere hemmungslos attackiert. -  Ein hoch gewaltbereiter Soziopath. 

Der Hintergrund war eine immense Angst. Angst macht immer gewaltbereit - auch Menschen. Über drei Wochen hat er jeden Tag mit seinem neuen Leithengst gekämpft - volle Pulle - und seine 150kg Hengstmuskulatur bestmöglich eingesetzt. Vergeblich, da jede Runde verloren. Weder Stock noch Peitsche kamen zum Einsatz bei seiner Resozialisierung. Es hat sich gelohnt, denn er ist eine unverzichtbare Größe in jener Therapiephase geworden, die dem Coaching ähnlich ist.

Er fordert Abgrenzung, Selbstbewusstsein und klare Signale. Alles, was dem nicht entspricht, läßt ihn kalt oder er wird ungehalten. Es bedarf am Beginn großer Anstrengung und mentaler Präsenz, um zu erreichen, dass er wenigsten gnädig einige Schritte tut. Das ist das Eselchen in ihm.

Umgesetzt wird mit ihm klassische Bodenarbeit wie man sie auch mit Pferden duchführt. Der kleine Unterschied liegt in seinem Eselblut. Dort, wo ein Pferd längst geduldig antrabt, steht er seelenruhig dort und zeigt sich wenig beeindruckt. 

Grundsätzlich sind Mulis quasi im Aussterben begriffen. Kaum noch jemand hat mit ihnen Erfahrung. Umso mehr freut es, ein solch besonderes Tier zu haben, das im Mittelalter häufiger war als das Pferd, da universeller einsetzbar sowie wesentlich günstiger in Beschaffung und Haltung.

Nach 2,5 Jahren war er so weit resozialisiert, dass man es riskieren konnte, ihm eine Gefährtin dazu zu stellen. Der Zufall half mit.


Welsh-Pony-Stute "Tamara"

Unverhofft kommt oft. Ein Gönner des Instituts - mein Freund Franz Gassner, selbst Landwirt im nahen Eisengraben - fragte, ob wir Tamara übernehmen würden, um sie als Therapiepony einzusetzen. Just zu einer Zeit als klar wurde, dass Rico Gesellschaft braucht. Seit 26.5.2017 ist sie nun am Hof und teilt mit Rico Stall, Laufbereich und Weide. Bereits nach 2 Tagen waren die beiden unzertrennlich.

Sie ist mit einem Alter von 14 Jahren mit Abstand das reifste unter unseren Tieren. Ihr Benehmen ist repektvoll, ihr Charakter hoch sensibel. Von der ersten Minute an zeigt sie ein sehr angenehmes Wesen. Sie ist nun in der Eingewöhnungsphase, lernt die Abläufe kennen, erste kleine Übungen verliefen sehr vielversprehend. Offenbar lernt sie gerne und rasch.

Sie stellt eine wesentlich Bereicherung des Teams dar, da die Arbeit mit Rico für manche Patienten fast schon eine übergroße Herausforderung darstellte.